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Et Huppe Tring ist zurückgekehrt

GESCHICHTE Die Gipsreliefs zweier Godesberger Originale schauen nach Jahrzehnten wieder auf die Alte Bahnhofstraße herab. Heimatverein plant nun eine Aennchen-Statue auf dem Moltkeplatz

Von Ebba Hagenberg-Miliu
(24. Mai 2006, Bonner General-Anzeiger)

Vor gut einem Jahr berichtete der GA, dass „et Huppe Tring" und „de Bröttelesch Johann" nach einer neuen Bleibe suchten. Jahrzehntelang hatten die großen Gipsreliefs der beiden Godesberger Originale schon in den Büros des Heimatvereins vereins vor sich hingedämmert. „Et Tring' und ihr Bruder sollten wieder gut sichtbar an einer Fassade in der Innenstadt angebracht werden, wünschte sich damals der Vereinsvorsitzende einsvorsitzende Karl-Josef Schwalb. Dieser Tage ging sein Traum in Erfüllung.
Das Geschwisterpaar mit den Charakternasen hängt dank des Einsatzes der Hauseigentümerin Christa Birkart-Schiffers nun links und rechts eines Godesberger Wappens in der Alten Bahnhofstraße. Und zwar über einem Bioladen im Haus Nummer 20, dessen Lauch taschen verspeisende Kundschaf der Johann nun ein wenig hinter sinnig, die Tring fast grimmig zu beobachten scheint. Damit ist das zu Lebzeiten für allerlei Kapriolen bekannte Duo aus bunt bemaltem Stuck fast wieder an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt.
Ursprünglich hatten die Geschwister mit dem losen Mundwerk nebst Wappen die Balkonbrüstung des damaligen Hauses Bahnhofstraße 9 a geziert. In dem wohnte nach 1915 eine Familie Guda, die sich von einem unbekannten Stuckateur einmal nicht die damals so beliebten Pseudorenaissance-Köpfe an der Fassade wünschte, ermittelte Schwalb. Was wiederum nicht jedem der Nachbewohner gefiel. Ein gewisser Herr Maßmann ließ Tring und Johann nämlich zeitweise hinter seinem Firmenschild verschwinden, was der GA des Jahres 1924 denn auch als glatten Eingriff gegen ein „Inventar unseres öffentlichen Lebens" geißelte. Der „Botzfrau Tring", dieser „lustigen Muhme aus des lieben Herrgotts Kasperletheater", sowie „dem seligen Ritter Johannes" geziemte doch wohl ein freier Blick auf „die große Welttheaterstadt". Den sollten ihnen die folgenden Eigentümer und Mieter dann auch gewähren: ab 1935 Bäckermeister Peter Josef Schneider, der Herrenkonfektionsanbieter Müller-Wipperfürth, die Konfiserie Barnikel und schließlich „Schneiders Meck", also Malermeister Fritz Schneider. Erst beim Abriss des Hauses 1970 musste der Heimatverein Feuerwehr spielen und die bleischweren Geschwister noch gerade vor dem Schuttloch retten und ins Magazin wuchten.
Dieser Tage also nun das Happyend, das für den Verein dann vollkommen ist, wenn alle drei Bilder als Dauerleihgabe rechtlich gesichert werden. „Vielleicht findet sich ja auch für das ach so leere Podest am bislang öden Moltkeplatz ein honoriger Spender", deutet Karl-Josef Schwalb ein weiteres Projekt an. Er könne sich vorstellen, dass vor der „potthässlichen Kinofassade" mitten im Marktgeschehen Bad Godesbergs Ehrenbürgerin Aennchen auf hohem Sockel gut hinpasst. „Der Platz bekäme endlich ein Gesicht und die bitterarme Stadt eins dazu, das auch in der kargen Winterzeit ohne Lindengrün ansehnlich bliebe". Schwalb sucht derzeit zweierlei: einen Künstler und einen Sponsoren.